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Symposium "Das kulturelle Gedächtnis im 21. Jahrhundert": Die Referenten des Panels A:
Kulturelles Gedächtnis und Partizipation
Dr. Michael Heck
studierte in Heidelberg und München Rechtswissenschaften, Volkswirtschaftslehre
und Philosophie sowie Kunst- und Musikgeschichte. Nach seiner Tätigkeit als
Richter und Staatsanwalt am Landgericht Karlsruhe wurde er im Jahre 1979
Kulturreferent der Stadt Karlsruhe. Unter anderem wurde er als Gründer der
Europäischen Kulturtage und als Initiator des Zentrums für Kunst und
Medientechnologie in Karlsruhe aktiv. 1980 USA-Aufenthalt für Urbanistik-
Studien als Stipendiat des John McCloy Fund of the American Council on Germany.
Träger der Auszeichnungen "Chevalier de l'Ordre National du Mérite de la
République Française" (1987) und "Cavaliere dell'Ordine al Merito della
Repubblica Italiana" (1993)
Städtische Kulturpolitik und kulturelles Gedächtnis - Zukunft braucht Herkunft.
Diesen Zusammenhang in einer Stadt erlebbar zu machen und den Bürgerinnen und
Bürgern Identifikation mit ihrer Stadt zu ermöglichen, ist Aufgabe städtischer
Kulturpolitik. Das kulturelle Gedächtnis hilft dabei nicht nur, nicht zu
vergessen was war, sondern auch zu erkennen, was ist. An einigen Karlsruher
Beispielen aus der Fülle und Breite des urbanen Lebens soll sichtbar gemacht
werden, dass Tradition und kulturelles Gedächtnis nicht das Aufbewahren der
Asche, sondern das Wachhalten des Funkens sind.
Dr. Susanne Asche
studierte deutsche Literaturwissenschaft, Geschichte und Politik an der
Universität Marburg und promovierte mit einer Arbeit zur Literatur der Romantik.
Von 1987-1998 war sie als Historikerin am Stadtarchiv Karlsruhe tätig, von 1998-
2003 als Stellvertretende Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte der Stadt
Karlsruhe und Leiterin des stadthistorischen Pfinzgaumuseums. 1985-1999 hatte
sie Lehraufträge an den literaturwissenschaftlichen Instituten der
Universitäten Hamburg und Karlsruhe sowie an den geschichtswissenschaftlichen
Seminaren der Universitäten Karlsruhe und Tübingen. Seit April 2003 ist
Susanne Asche Leiterin des Fachbereichs Kultur der Stadt Offenburg.
Demokratische Erinnerungskultur als kommunale Kulturpolitik Erinnerungskultur
ist heute ein Schlagwort, mit dem zahlreiche Debatten rund um das regionale,
nationale oder europäische öffentliche Gedächtnis gekennzeichnet werden. Denn
kollektives Erinnern und Traditionsstiftung sind, wie die Erinnerungsforschung
gezeigt hat, für die Entstehung und die Identität von politischen
Gemeinschaften zentral. Traditionen entstehen aber nicht gleichsam naturwüchsig
mit der Zeit, sondern werden "erfunden" und "gemacht". Doch in die Ausformung
des kulturellen Erbes gehen nicht nur die Aktivitäten der "Erfinder von
Erinnerung" ein, sondern auch die Interessen der Konsumenten von Erinnerung und
diejenigen kulturellen Traditionen, die sich "automatisch" im Gedächtnis
breiter Bevölkerungsschichten abgelagert haben und latent wirksam sind. Die
Stadt Offenburg strebt an, eine kommunale Erinnerungskultur auszubilden und zu
leben, die sich gleichzeitig der europäischen Idee verpflichtet fühlt. Die
damit verbundene Kulturpolitik rekurriert auf die Geschichte der Stadt, die
sich im Gedächtnis vieler Offenburger verankert hat. Dabei geht es um die
demokratischen Bestrebungen des 19. Jahrhunderts und die Bemühungen um eine auf
den Menschen- und Bürgerrechten basierende Gesellschaft. In dem Vortrag werden
diese Momente der kommunalen Kulturpolitik vorgestellt und die Möglichkeiten
der Schaffung einer demokratischen Erinnerungskultur für alle Bewohner der
Stadt diskutiert.
Hermann Glaser
war mehr als 25 Jahre lang Schul- und Kulturdezernent in Nürnberg und gehört
als Kultursoziologe und Publizist zu den international maßstabsetzenden
Kulturwissenschaftlern unserer Zeit. Anlässlich Glasers 75. Geburtstags hob
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse dies deutlich hervor: "Getragen von dem
Bewusstsein, dass der moderne Mensch dem schwierigen Prozess des Denkens aus
dem Wege zu gehen sucht, geben Sie uns mit ihrem publizistischen Schaffen
vielfältige Anstöße zur Selbstreflektion." Heute wirkt Hermann Glaser als
Kulturberater und Honorarprofessor für Kulturvermittlung an der TU Berlin und
ist als Gastprofessor im In- und Ausland tätig. Gesellschaftliche
Gedächtniskultur als kulturpolitische Aufgabe Der dialektische Dreischnitt des "
Aufhebens" besteht im Erhalten, Überwinden und Höherbringen. Ohne das
bürgerschaftliche Engagement für die Pflege von Erinnerungsarbeit würde
kollektives Gedächtnis eine wesentliche Beeinträchtigung erfahren. Zukunft
braucht eine Herkunft, die auch in ganz persönlicher Trauer- und Stolz-Arbeit
verwurzelt ist.
Prof. Dr. Hermann Rumschöttel
studierte Geschichte, Germanistik, Geographie und
Philosophie. Es folgte eine Ausbildung zum wissenschaftlichen Archivar an der
Bayerischen Archivschule in München und eine langjährige Tätigkeit in der
Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, deren Leitung er 1997 als
Generaldirektor übernahm. Seit 1998 ist Hermann Rumschöttel Honorarprofessor an
der Universität der Bundeswehr in München.
Dr. Joana Breidenbach,
geb. 1965, Studium der Ethnologie und Kunstgeschichte in München, Berkeley und
London. 1994 Promotion zum Dr.phil. Seit 1992 tätig als Autorin und
Journalistin, in Berlin und La Haute Carpenée, Frankreich. Zahlreiche
Veröffentlichungen zu den kulturellen Folgen der Globalisierung ("Tanz der
Kulturen", Verlag Antje Kunstmann 1998, Rowohlt 2000, gemeinsam mit Ina Zukrigl)
, langjährige Kolumnistin des Wirtschaftsmagazins brand eins. Herausgeberin (
gemeinsam mit Pál Nyíri) von "China Inside Out: Contemporary Chinese
Nationalism and Transnationalism" (Central European University Press 2005). Ein
Buch zum neuen, nicht-westlichen Massentourismus ist in Vorbereitung.
Kulturelles Gedächtnis und Migration; soziale Identitäten zwischen
Kulturalisierung und Transnationalisierung Ausgehend von der Beobachtung, daß
die Nation oft als unhinterfragter Rahmen des kulturellen Gedächtnisses einer
Gemeinschaft dient, möchte ich in meinem Beitrag darstellen, wie sich lokale
Lebenswelten in Folge von kultureller Globalisierung und Migration verändern
und die Gleichsetzung zwischen nationalem Territorium und kulturellem
Gedächtnis fragwürdig erscheinen lassen. Neben einer kulturellen
Ausdifferenzierung der nationalen Bevölkerung erleben wir den sprunghaften
Anstieg neuer sozialer Identitäten, insbesondere von Minderheiten und Menschen
mit Migrationshintergrund. Neben dieser Kulturalisierung sozialer Identitäten
ist die Transnationalisierung der Migrationslandschaft von zentraler Bedeutung.
Dank moderner Kommunikations- und Transportmittel sind Migranten heute oft
mehrfach verankert, d.h. sie unterhalten enge soziale, kulturelle,
wirtschaftliche und politische Verbindungen über nationale Grenzen hinweg. Im
Zuge dieser skizzierten, einander überlappenden Dynamiken kommt, so meine
Schlußfolgerung, transnationalen und urbanen Räumen (im Gegensatz zum
territorial verstandenen Nationalstaat) eine neue zentrale Bedeutung für die
Pflege und Verankerung des kollektiven Gedächtnisses.
Dr. Manfred Osten
ist Jurist und war lange im Auswärtigen Dienst tätig, bis er 1993 als Leiter
des Osteuropa-Referats ins Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
wechselte. Von 1995-2004 war er Generalsekretär der Alexander von Humboldt-
Stiftung. Für seine herausragende wissenschaftliche Tätigkeit erhielt er
zahlreiche Ehrungen, darunter den "Order of the Rising Sun" in Japan, die "
Marin Drinov"-Medaille der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften und die
Silber-Medaille der Karls-Universität Prag. Außerdem wurden ihm die
Ehrendoktorwürden der Universität Bukarest und der Universität Pécs verliehen.
Seit 2001 ist er Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der
Literatur in Mainz. Dr. Manfred Osten ist Autor zahlreicher
Bücher und Aufsätze. In seiner letzten Publikation "Das geraubte Gedächtnis.
Digitale Systeme und die Zerstörung der Erinnerungskultur " beschreibt Osten
die Geschichte des Vergessens als Teil der Kulturgeschichte und lenkt den
Blick auf die Entlastung der menschlichen Erinnerung durch digitale
Speichersysteme, die durch ihre Fragilität und durch unüberwindbare
Medienbrüche das kulturelle Gedächtnis gefährden.
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